anwalt.de oder eigene Website? Ein ehrlicher Vergleich mit Zahlen
anwalt.de oder eigene Website? Ein nüchterner Vergleich mit echten Zahlen, dem SEO-Trade-off und einer Entscheidungsmatrix für Kanzleien.
Sie zahlen jeden Monat für Ihr Profil auf einem Anwaltsportal. Die Mandantenanfragen kommen — mal mehr, mal weniger. Und dann liegt der Brief im Postfach: Der Beitrag steigt. Oder das Profil eines Kollegen rankt plötzlich über Ihrem, ohne dass sich an Ihrer Arbeit etwas geändert hätte. In diesem Moment stellt sich die Frage, die viele Kanzleien zu lange aufschieben: anwalt.de oder eigene Website — und was davon gehört eigentlich Ihnen?
Dieser Beitrag stellt beide Optionen nüchtern gegenüber. Kein Portal-Bashing, keine Heilsversprechen. Nur die Zahlen, der entscheidende Trade-off und eine Matrix, mit der Sie für Ihre Kanzlei entscheiden können.
anwalt.de oder eigene Website – die Kurzfassung
Wer wenig Zeit hat, hier das Wesentliche: Ein Portal wie anwalt.de ist Miete — Sie zahlen monatlich für Reichweite, doch die aufgebaute Sichtbarkeit gehört dem Anbieter. Eine eigene Website ist Eigentum — ein Asset, das mit jedem Beitrag wertvoller wird und bei Ihnen bleibt. Die ehrlichste Antwort lautet selten „nur das eine”: Das Portal kann als zusätzlicher Kanal sinnvoll sein, die eigene Website ist das Fundament. Wer das Portal als alleinige Online-Präsenz behandelt, mietet auf Dauer, statt zu besitzen.
Was anwalt.de wirklich kostet
Fangen wir mit dem an, was sich beziffern lässt. Zum 15. April 2024 hat anwalt.de seine Preise spürbar angehoben — nach rund vier Jahren stabiler Konditionen. Bestandskunden zahlen seither 79,90 € pro Monat, Neukunden für ein vergleichbares Profil 149,90 € zzgl. USt. (Lorenz und Fuchs, 2024).
Die aktuelle Profilstruktur unterscheidet mehrere Stufen — von einem Basis-Profil ab 69,90 € pro Monat zzgl. USt. über die Stufe Silber bei 99,90 € pro Monat zzgl. USt. bis hin zu Gold und Premium. Nach Anbieterangabe nutzen mehr als 95 % der Kunden ein Premium-Profil (anwalt.de). Berufseinsteiger mit einer Zulassung, die nicht älter als zwei Jahre ist, erhalten 50 % Rabatt auf alle Stufen.
| Kategorie | Wert |
|---|---|
| Basis | ab 69,90 € |
| Bestand | 79,90 € |
| Silber | 99,90 € |
| Neukunde | 149,90 € |
Monatsbeiträge zzgl. USt. je nach Tarifstufe sowie Bestands- oder Neukundenstatus (Lorenz und Fuchs, 2024; anwalt.de).
Damit prallen mehrere Preislogiken aufeinander, deshalb der Anker zum Mitrechnen: Je nach Tarifstufe sowie Bestands- oder Neukundenstatus liegt der Beitrag aktuell zwischen rund 70 und 150 € netto pro Monat. Ein dauerhaft genutztes Premium-Profil auf Basis des aktuellen Silber-/Premium-Tarifpreises von 99,90 € rechnet sich auf rund 1.200 € netto im Jahr — als laufender Beitrag, ohne dass am Ende ein eigenes Asset entsteht. Das ist der Punkt, auf den es ankommt. Nicht ob der Preis fair ist, sondern was Sie dafür bekommen — und was nicht.
Das eigentliche Trade-off: Wem nützt Ihr Content?
Der wichtigste Unterschied zwischen Portal und eigener Website ist nicht der Preis. Es ist die Frage, wem Ihre Arbeit langfristig zugutekommt.
Rechtstipps stärken das Portal — nicht Sie
Viele Kanzleien schreiben für ihr Portalprofil fleißig Rechtstipps. Gut recherchierte Beiträge, die echten Mehrwert bieten. Das Problem dabei ist strukturell: Diese Inhalte erscheinen unter der Domain des Portals. Bei Google baut damit die Domain-Autorität des Portals auf — nicht die Ihrer Kanzlei.
So funktioniert die Mechanik: Suchmaschinen bewerten Domains unter anderem über ihr Linkprofil und ihre thematische Tiefe. Jeder Fachbeitrag, den Sie auf einem Portal veröffentlichen, vertieft dessen thematische Autorität. Ein Link von einer fachlich passenden Seite gibt einen Teil seiner Autorität weiter (eMinded). Nur fließt diese Autorität eben auf die Portal-Domain — und kommt der nächsten Suchanfrage zugute, die das Portal nach oben spült. Auch der Kanzlei nebenan.
Anders gesagt: Sie investieren Schreibzeit in ein Fundament, das jemand anderem gehört. Verlassen Sie das Portal, bleibt der Beitrag dort — und die aufgebaute Sichtbarkeit wandert mit.
Portal-Mandanten bleiben Portal-Kontakte
Der zweite Effekt ist subtiler, aber genauso real. Wer Sie über ein Portal findet, verbindet das Erlebnis oft mit dem Portal, nicht mit Ihrer Kanzlei. Die nächste Suche beginnt wieder beim Portal — nicht bei Ihrem Namen. Sie zahlen also nicht einmal für einen Kontakt, sondern tendenziell wiederholt für denselben Weg zu Ihnen.
Eine eigene, gut auffindbare Website dreht das um. Wer über Ihre Domain kommt, landet bei Ihnen. Beim nächsten Mal merkt er sich Ihren Namen, nicht den eines Verzeichnisses.
Die Abhängigkeiten, die selten jemand benennt
Ein Portalprofil bedeutet, dass Sie auf drei Hebeln keine Kontrolle haben:
- Preis. Die Erhöhung im April 2024 hat gezeigt, dass Konditionen einseitig steigen können — für Neukunden fast eine Verdopplung gegenüber dem alten Niveau.
- Algorithmus und Sortierung. Wer im Verzeichnis oben steht, entscheidet das Portal. Eine Umstellung der Logik kann Ihre Sichtbarkeit über Nacht verändern.
- Profil-Verfügbarkeit. Konto, Darstellung und Reichweite hängen an den Bedingungen des Anbieters. Ein gesperrtes oder umgestelltes Profil ist nicht Ihr Eigentum.
Keine dieser Abhängigkeiten ist ein Skandal — sie sind der normale Preis dafür, auf einer fremden Plattform zu mieten statt zu besitzen. Man sollte sie nur kennen, bevor man sich darauf verlässt.
Was die eigene Website anders macht
Die eigene Kanzlei-Website ist die Gegenposition: ein bleibendes Asset, das Ihnen gehört. Drei Dinge sind dabei substanziell.
Sie besitzen, was Sie aufbauen
Jeder Beitrag, jede Referenz, jede aufgebaute Sichtbarkeit zahlt auf Ihre Domain ein. Die Autorität, die über Jahre entsteht, bleibt bei Ihnen — auch wenn Sie nie wieder einen Cent an ein Portal zahlen. Das ist der Unterschied zwischen Miete und Eigentum, übersetzt ins Digitale.
Das ist der Unterschied zwischen Miete und Eigentum, übersetzt ins Digitale.
Wichtig ist dabei das Kleingedruckte, das oft vergessen wird: Code-Eigentum und Exit. Eine eigene Website ist nur dann wirklich Ihr Asset, wenn Sie die Inhalte und den Code im Zweifel mitnehmen können. Bei einem unkündbaren Baukasten, aus dem sich nichts exportieren lässt, sitzen Sie in derselben Abhängigkeit wie beim Portal — nur unter anderem Namen. Achten Sie also auf das Recht, jederzeit gehen zu können, ohne bei null zu beginnen.
Rechtssicherheit ist bei Kanzleien Pflicht, nicht Kür
Eine Anwalts-Website hat Anforderungen, die über die einer normalen Firmenseite hinausgehen. Das Impressum muss von jeder Seite aus mit maximal zwei Klicks erreichbar sein und neben Name und Anschrift unter anderem die zuständige Rechtsanwaltskammer, die einschlägigen berufsrechtlichen Regelungen — BRAO und BORA mit Fundstelle — sowie die Berufshaftpflichtversicherung nennen (huchel. Medienagentur). Hinzu kommt eine DSGVO-konforme Datenschutzerklärung als eigenständiges Dokument.
Genau hier liegt ein stiller Vorteil der eigenen Seite: Sie können diese Pflichten von Anfang an sauber abbilden, statt sich auf die Standardvorlage eines Portals zu verlassen. Vorausgesetzt, die Seite wird von jemandem gebaut, der diese Anforderungen kennt.
Gefunden werden — unter Ihrem Namen
Lokale Sichtbarkeit ist für die meisten Kanzleien der entscheidende Hebel. Wer „Fachanwalt Arbeitsrecht + Ort” sucht, soll Ihre Seite finden, nicht ein Verzeichnis, in dem Sie eine Kachel unter vielen sind. Eine Website, die auf lokale Auffindbarkeit ausgelegt ist, baut diese Position dauerhaft auf — und sie gehört Ihnen.
Die ehrliche Einordnung: nicht entweder-oder
Die nüchternste Antwort auf anwalt.de oder eigene Website lautet selten „nur das eine”. Ein Portal kann als Ergänzung sinnvoll sein — gerade in der Anfangszeit, wenn noch keine eigene Sichtbarkeit aufgebaut ist, liefert es Reichweite, die man sonst erst erarbeiten müsste.
Der Fehler ist, das Portal als Ersatz für ein eigenes Fundament zu behandeln. Wer Jahr für Jahr nur in fremde Reichweite zahlt, steht am Ende des Jahrzehnts ohne eigenes Asset da — und mit derselben Abhängigkeit wie am ersten Tag. Die eigene Website ist das Fundament; das Portal ist bestenfalls ein zusätzlicher Kanal darüber.
So lässt sich der Wert gegenüberstellen — bei realistischen Größenordnungen, jede Zahl als das, was sie ist:
| Kriterium | anwalt.de (Portal) | Eigene Website |
|---|---|---|
| Laufende Kosten | ~70–150 €/Mo netto (Stand 04/2024) | Festpreis-Modelle ab ~99 €/Mo¹ |
| Eigentum | Profil gehört dem Anbieter | Domain, Inhalte, Code gehören Ihnen¹ |
| SEO-Autorität | baut die Portal-Domain auf | baut Ihre Domain auf |
| Preis-/Sortier-Risiko | einseitig durch Anbieter steuerbar | keine Plattform-Abhängigkeit |
| Mandantenbindung | Kontakt bleibt Portal-Kontakt | Kontakt landet bei Ihrer Kanzlei |
| Rechtssicherheit | Standardvorlage des Portals | individuell auf BRAO/BORA/DSGVO gebaut¹ |
| Exit | Sichtbarkeit bleibt beim Portal | Asset bleibt bei Ihnen |
¹ Größenordnung am Beispiel eines Festpreis-Anbieters wie McMedia (Starter 99 €/Mo zzgl. 490 € Setup, CMS ab Pro); keine allgemeine Marktaussage.
Wo McMedia ins Bild passt
Wenn die eigene Website das bleibende Asset sein soll, kommt es auf drei Dinge an — und genau darauf ist McMedia ausgelegt: gefunden werden durch lokal-sichtbare Seiten, rechtssicher gebaut mit Impressum und Datenschutz, die zu einer Kanzlei passen, und nachvollziehbar statt nur behauptet — Aktivität und Reichweite Ihrer Seite werden über ein Cockpit mit Reports laufend sichtbar.
Das Modell ist ein Festpreis statt einer offenen Agenturrechnung: Starter ab 99 €/Monat zzgl. 490 € einmalig Setup, ein Content-System (CMS) ab der Pro-Stufe. Der Punkt ist nicht, das günstigste Angebot zu sein — sondern dass am Ende ein Asset steht, das Ihnen gehört, statt eines Beitrags, der jeden Monat verpufft.
FAQ
Was kostet anwalt.de pro Monat?
Das hängt von Tarifstufe und Status ab. Seit dem 15.04.2024 zahlen Bestandskunden 79,90 € und Neukunden 149,90 € netto pro Monat für ein vergleichbares Profil. Über die Tarifstufen reicht die Spanne von einem Basis-Profil ab 69,90 € über Silber bei 99,90 € bis zu Gold und Premium — je nach Stufe und Status also rund 70 bis 150 € netto pro Monat. Berufseinsteiger mit einer Zulassung von höchstens zwei Jahren erhalten 50 % Rabatt. Ein dauerhaft genutztes Premium-Profil summiert sich auf rund 1.200 € netto im Jahr.
Ist anwalt.de seinen Preis wert?
Das hängt davon ab, wofür Sie zahlen. Als zusätzlicher Reichweiten-Kanal — etwa in der Aufbauphase — kann sich ein Portalprofil rechnen. Als Ersatz für eine eigene Website ist es teuer, weil die aufgebaute Sichtbarkeit dem Portal gehört und nicht Ihnen.
Baut ein Rechtstipp auf anwalt.de meine eigene Sichtbarkeit auf?
Nur eingeschränkt. Der Beitrag stärkt vor allem die Domain-Autorität des Portals bei Google, nicht die Ihrer Kanzlei-Domain. Verlassen Sie das Portal, bleibt der Beitrag dort. Auf der eigenen Website zahlt derselbe Aufwand dauerhaft auf Ihre Domain ein.
Sollte ich anwalt.de und eine eigene Website parallel betreiben?
In vielen Fällen ja. Das Portal liefert zusätzliche Reichweite, die eigene Website ist das bleibende Fundament. Sinnvoll ist die Kombination — riskant ist es nur, das Portal als alleinige Online-Präsenz zu behandeln.
Worauf muss eine Anwalts-Website rechtlich achten?
Pflicht sind ein vollständiges Impressum (von jeder Seite in maximal zwei Klicks erreichbar, mit Nennung der zuständigen Rechtsanwaltskammer, der berufsrechtlichen Regelungen BRAO und BORA mit Fundstelle sowie der Berufshaftpflichtversicherung) und eine eigenständige, DSGVO-konforme Datenschutzerklärung. Diese Anforderungen lassen sich auf einer eigenen Seite individuell und sauber abbilden.
Gehört mir meine Website wirklich?
Nur, wenn Sie Inhalte und Code im Zweifel mitnehmen können. Achten Sie beim Anbieter auf Code-Eigentum und eine klare Exit-Möglichkeit — sonst tauschen Sie eine Plattform-Abhängigkeit gegen die nächste.
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Alle Preisangaben beziehen sich auf den im Beitrag genannten Stand und können sich geändert haben. Dieser Beitrag ist eine Orientierung, keine Rechtsberatung.